Theologie trifft Innenpolitik: Bischof und Minister im Gespräch
Unter dem Titel "Gesellschaftlicher Wandel - Herausforderungen für Politik, Kirche und Gesellschaft" diskutierten der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber und der Hessische Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck über die Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen auf Politik, Kirche und Gesellschaft.
Unter dem Titel "Gesellschaftlicher Wandel - Herausforderungen für Politik, Kirche und Gesellschaft" diskutierten der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber und der Hessische Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck über die Auswirkungen gesellschaftlicher VerändDer Evangelische Arbeitskreis (EAK) der CDU Hessen hatte am Samstag am Rande des Hessentags zu einem Podiumsgespräch ins Katholische Gemeindezentrum St. Sturmius eingeladen. Zahlreiche interessierte Gäste folgten der Einladung. Moderiert wurde die Gesprächsrunde vom EAK-Landesvorsitzenden, Staatsminister a. D. Axel Wintermeyer.
Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Herausforderungen einer zunehmend heterogenen Gesellschaft, die sich mit einer unsicherer werdenden geopolitischen Lage, den Umwälzungen durch künstliche Intelligenz und dem Erstarken autoritärer Bewegungen konfrontiert sieht. Dabei ging es auch um die Frage, welche Rolle die Kirche in diesen Prozessen einnehmen kann und wie die Ökumene einen positiven Unterschied machen kann.
"KI ist Fluch und Segen zugleich"
Beim Thema künstliche Intelligenz machte Innenminister Poseck deutlich, dass er in der Technologie Chancen und Risiken zugleich sieht: "KI ist Fluch und Segen zugleich, sie hat Chancen und sie hat Risiken. Wir müssen aber irgendwie mit ihr umgehen, das Rad werden wir jedenfalls nicht zurückdrehen können. Ich bin auch sehr dafür, dass es Regulierung braucht. Die Sicherheitsbehörden nutzen KI, und es wäre, glaube ich, auch völlig falsch, wenn man das von vornherein ausschließen würde - denn dann würde man die Sicherheitsbehörden von der Entwicklung abhängen und Verbrechern einen Vorsprung geben. Das kann nicht in unserem Interesse sein."
"Müssen in Phasen radikaler Herausforderung als Kirchen gemeinsam auftreten"
Bischof Gerber wiederum verwies auf die ökumenische Zusammenarbeit mit der evangelischen Bischöfin Hofmann, die sich gerade in Krisenzeiten bewährt habe: "Wir sind beide kurz vor Corona gekommen und sofort in mehrere Krisenszenarien hineingekommen - nach dem furchtbaren Anschlag von Volkmarsen, nach den Anschlägen von Hanau, dann Corona. Das hat uns menschlich zusammengeschweißt, aber es hat uns auch gezeigt, was Ökumene bedeutet: dass wir gerade in Phasen radikaler Herausforderung als Kirchen gemeinsam auftreten müssen."
"Es gibt keinen guten Extremismus"
Mit Blick auf die geopolitische Lage und das Erstarken autoritärer Bewegungen wurde Poseck deutlicher: "Der Rechtsextremismus ist aktuell die größte Bedrohung für unsere Demokratie. Aber er steht nicht alleine: Der Linksextremismus hat stark zugenommen, er ist radikaler und brutaler geworden. Es gibt keinen guten Extremismus. Jeder Extremismus führt unsere Gesellschaft und unsere Demokratie in den Abgrund."
Bischof Gerber betonte schließlich die Rolle der Kirche in einer verunsicherten Gesellschaft: "Jeder Mensch ist wertvoll, hat seine Würde, unabhängig von dem, was er leisten kann. Das ist etwas, was wir als Kirche in eine Gesellschaft einzubringen haben, in der viele Menschen zutiefst verunsichert sind: dass sie als Mensch angenommen sind, weil sie Mensch sind."